Arbeitsmarkt befindet sich in Bestform

|   Kreis Borken

In den Räumen der Lebo GmbH in Bocholt stellte die Agentur für Arbeit Coesfeld die Arbeitsmarktbilanz für das Jahr 2018 vor. Entsprechend der guten Zahlen, die im vergangenen Jahr Monat für Monat veröffentlicht wurden, fällt auch die Betrachtung des gesamten Jahres sehr positiv aus. „Das zurückliegende Jahr war in vielerlei Hinsicht ein sehr gutes für den Arbeitsmarkt“, berichtet Johann Meiners, Leiter der Agentur für Arbeit Coesfeld und fügt hinzu: „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ist stetig angestiegen, die Arbeitslosigkeit weiter gesunken und die Nachfrage der Unternehmen nach Mitarbeiterhin weiterhin sehr hoch.“ Diese guten Entwicklungen sorgten aber auch für Herausforderungen. So wurde es für Unternehmen in einzelnen Branchen immer schwieriger, offene Stellen mit passenden Bewerbern zu besetzen. „Mit viel Engagement, der Zusammenarbeit mit Netzwerkpartnern und der Investition in Qualifizierung und Weiterbildung Arbeitsloser konnten wir uns diesen Herausforderungen stellen,“ so Meiners.

„Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreichte in einer langjährigen Entwicklung neue Höchststände. Die Wachstumsraten lagen bislang über dem Landesschnitt,“ zeigt sich Meiners erfreut. So konnten immer mehr Menschen im Bezirk der Agentur für Arbeit Coesfeld im vergangenen Jahr eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen. Mit 213.862 Beschäftigten (stand März 2018) ist deren Anzahl um 5.674 oder 2,7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres gestiegen.

Die höchsten Steigerungen an neuen Beschäftigten gab es im Baunebengewerbe (+764), im Gesundheitswesen (+639) und im Maschinenbau (+369). Die meisten Beschäftigten im Agenturbezirk insgesamt arbeiten im Einzelhandel, dem Gesundheits- und Bauwesen.

Im Jahresverlauf 2018 waren im Agenturbezirk durchschnittlich 10.696 Personen arbeitslos gemeldet. Damit waren es 744 weniger als im Vorjahr und sogar 2.603 weniger als vor zehn Jahren. „Bereits das vierte Jahr in Folge sinkt die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt. Das spricht für eine sehr positive aber auch stabile Entwicklung am Arbeitsmarkt in der Region“, erklärt Rolf Heiber, operativer Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Coesfeld.

Von Arbeitslosigkeit betroffen waren im vergangenen Jahr jedoch deutlich mehr Menschen als diese Zahl zunächst vermuten lässt. Von Januar bis Dezember mussten sich nämlich 33.746 Personen bei der Arbeitsagentur oder einem lokalen Jobcenter arbeitslos melden. Demgegenüber konnten sich 34.077 Arbeitslose wieder abmelden, weil sie beispielsweise eine neue Anstellung gefunden hatten. „Diese Zahlen zeigen die große Dynamik am Arbeitsmarkt. Erfreulich ist, dass jemand der sich arbeitslos melden muss, in der Regel auch schnell wieder eine neue Beschäftigung findet,“ sagt Meiners und fügt hinzu: „Arbeitslosigkeit muss insbesondere in unserer Region keine Sackgasse sein.“

Mit Blick auf einzelne Personengruppen zeigt sich jedoch, dass nicht Alle gleichermaßen von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt profitieren konnten. „Die Arbeitslosigkeit von Schwerbehinderten und von Menschen über 50 Jahren ist, entgegen der Entwicklung am Arbeitsmarkt, in den letzten Jahren stetig angestiegen. Gerade hier liegen aber noch wertvolle Potenziale für Unternehmen, gute und motivierte Mitarbeiter zu finden,“ berichtet Rolf Heiber. Bei den Älteren beispielsweise lag die Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr mit 3.821 Personen im Jahresdurchschnitt um 414 Personen höher als noch vor zehn Jahren. Bei den Schwerbehinderten stieg die Zahl der Arbeitslosen im Jahresdurchschnitt von 608 im Jahr 2008 auf 847 im Jahr 2018.

Deutlich profitieren konnten hingegen Jugendliche. Bei den unter 25-Jährigen ist die Arbeitslosigkeit in den letzten zehn Jahren gesunken. Mit 226 arbeitslosen Jugendlichen waren es zuletzt 148 weniger als noch 2008. „Sie sind als junge, ausgebildete Fachkräfte besonders gefragt, weil sie den Unternehmen mittel- und langfristige Perspektiven bieten können,“ so Agenturleiter Meiners. „Junge Menschen erhalten ihre Chance. Das sollte aber auch für die anderen Personengruppen am Arbeitsmarkt gelten“, appelliert Rolf Heiber, denn dort lägen viele Potenziale.

„Die Nachfrage der Unternehmen in den Kreisen Borken und Coesfeld war auch in 2018 weiterhin sehr hoch“, so Johann Meiners. Mit 15.720 offenen Stellen teilten die Arbeitgeber und öffentlichen Verwaltungen der Region 1.214 neue Jobangebote mehr mit, als noch im Vorjahr und sogar 2.216 mehr als vor zehn Jahren. „In zahlreichen Branchen und Berufen wird es aber schwieriger, geeignete Mitarbeiter zu finden. „Wer hier mit Qualifizierungen und besonderer Unterstützung in Bewerberinnen und Bewerber, die vielleicht nicht sofort passend erscheinen, investiert, wird langfristig profitieren“, rät Heiber.

Die Unternehmen der Region gehen mit dieser Herausforderung unterschiedlich um. Die Firma Lebo GmbH, beispielsweise, erlebt besondere Herausforderungen in der Rekrutierung von Nachwuchskräften für die Produktion. „Diesem Thema begegnen wir auf zweierlei Wegen“, sagt Ralf Schwung, Geschäftsführer der LEBO GmbH. „Der erste Weg der Sicherung von Nachwuchskräften besteht bei uns in der gesteigerten Investition in Auszubildende. In der Tat ist es heute schwierig, junge Menschen für einen Beruf in der Fabrik zu begeistern. Um die Ausbildung attraktiver zu gestalten und zu unterstreichen, dass viele Funktionen in der Produktion ein hohes Maß an Fachwissen erfordern und attraktive Karrieremöglichkeiten eröffnen, bieten wir ab August 2019 erstmals gewerbliche Ausbildungsplätze im Rahmen eines dualen Studiums an der Westfälischen Hochschule an. Zwei Plätze sind noch frei.“ Dr. Julia Pradel, Personalleiterin bei der LEBO GmbH ergänzt „Ein weiterer Weg ist die Qualifizierung von Leiharbeitnehmern. Bei Auftreten von Auftragsspitzen müssen wir regelmäßig Fremdpersonal ordern, welches wir nach und nach auch in komplexere Arbeitsprozesse einbinden. Über diesen Weg der sukzessiven Qualifizierung im Unternehmen haben schon viele Personen ein festes Beschäftigungsverhältnis bei uns erhalten. Auch überlegen wir die Möglichkeiten zu nutzen, die das seit 01.01.2019 geltende Chancenteilhabegesetz bietet, indem wir Menschen, die bereits seit mehreren Jahren nicht am Erwerbsleben teilgenommen haben, einen Wiedereinstieg in eine kontinuierliche Beschäftigung ermöglichen wollen.“

Auch der Blick zurück auf den Ausbildungsmarkt zeigt eine positive Entwicklung. Im zurückliegenden Ausbildungsjahr (Oktober 2017 bis September 2018) meldeten die Unternehmen mit 4.691 Ausbildungsmöglichkeiten 78 Stellen mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Bewerber ist hingegen leicht zurückgegangen und lag mit 4.744 um 61 niedriger als zuletzt. „Die Schere am Ausbildungsmarkt schließt sich immer mehr“, betont Rolf Heiber. Für Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz werden die Chancen damit größer. Arbeitgeber hingegen haben es schwerer, passende Nachwuchskräfte zu finden. „Aktuell wirkt sich diese Entwicklung noch sehr positiv aus, denn es konnten wieder einmal mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen werden“, so der Geschäftsführer. Seit dem Ausbildungsjahr 2013/2014 ist diese Zahl kontinuierlich angestiegen. Mit 5.052 Ausbildungsverträgen lag die Zahl zuletzt um 144 höher als noch im Vorjahr.

Für das neue Jahr sehen die Experten der Agentur für Arbeit weiterhin viele positive Entwicklungen. „Auch in 2019 rechnen wir mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosigkeit und einer hohen Nachfrage an Arbeitskräften,“ prognostiziert Agenturleiter Meiners. Dadurch wird aber auch der Engpass an Fachkräften in immer mehr Branchen zu einer Herausforderung.

Die Agentur für Arbeit setzt aus diesem Grunde darauf, die vorhanden Potenziale am Arbeitsmarkt besser und effektiver zu nutzen: „Weiterbildung zur Vorbereitung auf eine Beschäftigung und die Qualifizierung von bereits beschäftigten Arbeitnehmern haben aktuell und auch in den kommenden Jahren eine herausragende Bedeutung“, zeigt Rolf Heiber einen wichtigen Weg dazu auf. Der durch die Digitalisierung bedingte Strukturwandel in vielen Branchen und Berufen, sowie die demografische Entwicklung sind weitere Herausforderungen. „Wir müssen diese Themen schon jetzt angehen. Das gilt für uns als Arbeitsagentur genauso wie für unsere Partner am Arbeitsmarkt und den Unternehmen selbst“, appelliert Meiners abschließend.

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