Arbeitsagentur stellt sich Herausforderungen durch Corona

|   Kreis Borken

Das Telefon klingelt in der Agentur für Arbeit Coesfeld derzeit wesentlich häufiger als üblich. Die Corona-Krise zeigt auch hier Auswirkungen.  Die Agentur für Arbeit Coesfeld ist sich der Situation und den neuen Anforderungen bewusst und hat sich organisatorisch bereits umgestellt, erklärt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Johann Meiners, im Interview.

Herr Meiners, die Flure in Ihrem Haus sind aktuell vermutlich ungewöhnlich leer. Was machen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bislang mit den Kunden gearbeitet haben?
Natürlich gibt es aktuell keine direkte persönliche Beratung, dennoch haben die Kunden besonders viele Fragen. Die möchten wir natürlich schnell und kompetent beantworten. Das geschieht jetzt halt in erster Linie über das Telefon.

Offensichtlich ist die Zahl der Anfragen so groß, dass die Telefonanlage der Arbeitsagentur in der vergangenen Woche teilweise überlastet war. Können die Kunden Sie denn inzwischen wieder erreichen?
In der Tat ist das Anrufaufkommen zu Beginn der letzten extrem angestiegen und hat unsere Leitungskapazitäten an die Grenzen gebracht. Die Bundesagentur für Arbeit hat aber schnell reagiert. Zum einen wurden die Kapazitäten in Zusammenarbeit mit unserem Telefonanbieter massiv ausgebaut, zum anderen haben wir hier vor Ort mit der 02541 / 919 700 eine weitere Rufnummer eingerichtet, um die Anruferströme besser aufteilen und auffangen zu können. Damit hat sich die Situation etwas entspannt, und wir sind wieder besser erreichbar.

Trotzdem sagen Sie, das Anrufaufkommen ist weiterhin sehr hoch.
Das ist richtig. Deshalb haben wir viele Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bereichen gebeten, sich mit in die Telefonie einzubringen. Das klappt sehr gut. Vor allem Unternehmen, die sich über Kurzarbeit und das Kurzarbeitergeld informieren möchten, melden sich in großer Zahl.

Die Politik und auch die Bundesagentur für Arbeit hat gesagt, dass das Kurzarbeitergeld möglichst schnell ausgezahlt werden soll. Ist das überhaupt realistisch bei der derzeit rasant steigenden Anzahl an Anträgen?
Zunächst haben die meisten Arbeitgeber bislang vor allem einen Beratungsbedarf. Die Zahl der Anzeigen von Kurzarbeit und die anschließende Beantragung von Kurzarbeitergeld wird aber in der kommenden Zeit steigen, das ist sicherlich richtig. Wir stehen hier erst am Anfang. Schon jetzt haben wir unsere Personalkapazitäten in diesen Bereichen deutlich verstärkt. Dies tun wir auch weiterhin. Außerdem schulen wir Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachbereichen, damit sie im nächsten Schritt schnellstmöglich bei der Auszahlung des Kurzarbeitergeldes unterstützen können. Die Bereitschaft der Kolleginnen und Kollegen in unserem Haus zu helfen und sich dort einzubringen wo Hilfe für unsere Unternehmen benötigt wird, ist sehr groß. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Wie lange dauert es denn bis ein Unternehmen Kurzarbeitergeld beziehen kann?
Es ist unser Ziel, den Menschen schnell und unkompliziert zu helfen. Die Unternehmen müssen dabei einige Schritte beachten. Als erstes muss der Betrieb eine Anzeige auf Kurzarbeit einreichen. Wichtig ist: Wer bereits für März Kurzarbeitergeld beantragen möchte, muss zunächst die Anzeige auf Arbeitsausfall einreichen und dies unbedingt noch in diesem Monat. Anschließend folgt dann die Antragstellung des Kurzarbeitergeldes.

Auf den ersten Blick klingt das recht kompliziert.
In der Praxis ist es das eigentlich gar nicht. In der jetzigen Situation ist der Zugang zum Kurzarbeitergeld schon deutlich erleichtert worden. So müssen nur noch mindestens zehn Prozent der Beschäftigten zehn Prozent Lohnausfall haben, damit das Unternehmen schon Kurzarbeitergeld beantragen kann. Vorher war ein Arbeitsausfall für mindestens 30 Prozent der Belegschaft erforderlich. Außerdem müssen Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge mehr auf das Kurzarbeitergeld zahlen. Auch für die Leiharbeit gilt das inzwischen so. Darüber hinaus gibt es unter www.arbeitsagentur.de/kurzarbeit eine gute Anleitung, wichtige Hinweise und sogar Videos, die die einzelnen Schritte erklären. Kontinuierlich arbeiten wir auch daran, weitere Informationen für die Betroffenen bereitzustellen.

Welche Branchen kommen denn vor allem auf Sie zu?
Natürlich sind das die Gastronomie und der Einzelhandel, die ja schließen mussten. Insgesamt aber melden sich Unternehmen aus fast allen Branchen, denn alle sind mehr oder weniger von der Situation um das Corona-Virus betroffen.

Sie stehen damit vor einer großen Herausforderung.
Das ist richtig. Aber wir werden alles tun, um unseren Beitrag in dieser Krise zu leisten.

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