Ambulante Pflege im Wandel

|   Ahaus

Wie kann man dem drohenden Fachkräftemangel in der Pflege begegnen? Mit dieser Frage setzten sich Bärbel Tervoort, Leiterin des St. Marien-Pflegedienstes und Pia Herbers stellv. Pflegedienstleitung intensiv und kreativ auseinander. Sie riefen das Projekt „Vertraue deinem Team“ ins Leben um ein neues Konzept zur Mitarbeitergewinnung zu entwickeln. Dabei orientierten sie sich an anderen Mutigen in der Branche und ließen sich z.B. auch von den niederländischen Nachbarn inspirieren. Doch was steckt dahinter? Pia Herbers, Projektverantwortliche erklärt: „Bisher waren wir zentral organisiert, alles lief an einem Ort zusammen und wurde von dort aus gesteuert. Bei den über 200 Patienten, die wir betreuen war es unmöglich, dass unsere Patienten alle Pflegekräfte kennen konnten, die sie besucht haben. Dies ist nun anders“, so Herbers: „Unser Pflegekräfte haben wir in kleinen Teams, mit maximal acht Mitarbeitern pro Team, zusammengefasst. Sie alle sind gemeinsam für die Pflege und Betreuung in einem Ortsteil zuständig. Die Teammitglieder entscheiden gemeinsam, wie der Dienstplan gestaltet wird. Die Patienten in ihren Einzugsbereich werden nun von  einer überschaubaren Menge an Pflegekräften besucht. Absprachen werden dadurch unkomplizierter“, so Herbers.

Neben der Patienten- spielt hier die Mitarbeiterzufriedenheit eine Hauptrolle. Bei einer Mitarbeiterbefragung hatte sich herausgestellt, dass Selbstständigkeit und eigenständiges Arbeiten als wesentlich für die eigene Arbeitszufriedenheit erachtet wurden. Wenig Anklang fanden dagegen die strikten Dienstpläne. Mit der Einführung des neuen Systems, wird diesen Wünschen entsprochen. Es erlaubt Eigenständigkeit und selbstständiges Arbeiten. Die Beziehung zu den Patienten wird enger  und die Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Familie verbessert.

Auch Leitung Bärbel Tervoort sieht das Konzept, welches bereits seit März umgesetzt wird, als sehr effektiv an: „Das Mehr an Verantwortung schafft Vertrauen. Wir vertrauen unseren Pflegekräften und teilen Verantwortung in der Überzeugung, dass jeder Mensch seine Arbeit und deren Aufwand sehr gut einschätzen kann und das Freiheit bei der Gestaltung dazu führt, dass wir gemeinsam unsere Ziele besser erreichen.“ Um der neuen Organisationsform nach und nach Gestalt zu geben, ließen sich Bärbel Tervoort und Pia Herbers vom Ursprung der ambulanten Pflege, nämlich der Arbeit der Gemeindeschwestern inspirieren. Auch warfen sie einen Blick über die Grenze zu den niederländischen Nachbarn, die seit einigen Jahren positive Erfahrungen mit ihrem Konzept „Buurtzorg“ machen. Ebenso orientierten sie sich an anderen Mutigen in der Branche.

Das neue Konzept stieß auch auf überregionales Interesse. Im Rahmen des Fachtags Ambulante Pflege im Essener Diözesanverband durften Bärbel Tervoort und Pia Herbers das Konzept vorstellen. Das beeindruckte sogar die Redakteure der CAREkonkret, einer renommierten deutschen Wochenzeitung für stationäre und ambulante Pflege. Sie stellten das Ahauser Konzept unter der Rubrik „Erfolgskonzepte“ vor.

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