Über Projekt "Praxis für Politik" diskutiert

|   Ahaus

Politikern einen Eindruck zu vermitteln, wie der Alltag im Betrieb aussieht und sie mit Unternehmern und Mitarbeitern ins Gespräch bringen, macht der BDWi (Bundesverband der Dienstleistungswirtschaft) mit der Aktion „Praxis für Politik“ möglich. Dass jedes Unternehmen – je nach Branche und Größe – ein wenig anders tickt, liegt in der Natur der Sache. Ein Gespräch ist keine Einbahnstraße. „Wie der Alltag eines Politikers aussieht und wie politische Entscheidungen in Berlin zustande kommen, ist daher auch immer Bestandteil der Diskussion“, erklärt BDWi-Präsident Michael H. Heinz.

Nicht zum ersten Mal kam auch die SPD-Bundestagsabgeordnete und Finanzausschussvorsitzende Ingrid Arndt-Brauer der Einladung des BDWi nach und besuchte die euregio Personaldienstleistungen GmbH in Ahaus. Vor rund zehn Jahren aus der Logistikbranche heraus vom geschäftsführenden Gesellschafter Neno Pajic gegründet, hat sich die euregio Personaldienstleistungen GmbH mit Hauptsitz in Bocholt zum Marktführer im Westmünsterland im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung entwickelt. Zwar gilt der Personaldienstleister als Vorreiter für die Kontraktlogistik und On-Site-Projekten, ist aber auch starker Partner mittelständischer Unternehmen der Metall-, Elektro- und Chemieindustrie, wie Anees Butt, Syndikusanwalt der euregio Personaldienstleistungen GmbH sowie Niederlassungsleiter Lukas Banas ihrem Gast erläuterten. Insbesondere in NRW, Niedersachsen und dem Bundesland Bremen beschäftigt euregio an inzwischen 20 Standorten rund 2.000 voll Sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter und verfügt in etwa über 4.000 Kunden.

Unter anderem kam auch die Integration von Flüchtlingen in den ersten Arbeitsmarkt zur Sprache. Insbesondere die Personaldienstleistung leiste hier tagtäglich einen großen Beitrag, machte Banas deutlich. „Auch wir haben unser Herz am rechten Fleck und möchten den arbeitssuchenden Menschen gerne helfen.“ Allerdings seien die bürokratischen Hürden, um die Flüchtlinge schnell in Lohn und Arbeit zu bringen sehr hoch, kritisierte der Niederlassungsleiter in dem Gespräch. Aus Gesprächen in Arbeitsagenturen und Industrie und Handwerkskammern (IHK) weiß Arndt-Brauer aber auch, dass nicht nur fehlende Sprachkenntnisse ein Problem sind, sondern auch die berufliche oder schulische Ausbildung der Flüchtlinge, die mit der deutschen Ausbildung nur wenig gemeinsam hat. Eine Prüfung zur Feststellung des schulischen und beruflichen Bildungsstandes brauche daher sicherlich auch seine Zeit, warb die Abgeordnete für Verständnis.

Zur Diskussion kam ebenfalls die Reform des AÜG (Arbeitnehmerüberlassungsgesetz), welche zum 01.04.2017 in Kraft trat, insbesondere die gesetzliche Wiedereinführung einer Höchstüberlassungsdauer von 18 Monaten und das Equal-Pay Gebot ab dem zehnten Monat der Überlassung. Die Arbeitnehmerüberlassung, so Rechtsanwalt Butt, unterlag bei bundesweit „nur“ 1.Mio Zeitarbeitnehmern schon immer einer überproportionalen Reglementierung durch den Gesetzgeber.

Rechtsanwalt Butt nutzte die Gelegenheit bei der Bundespolitikerin „konstruktive“ Kritik an der verabschiedeten AÜG-Reform anbringen zu dürfen. Er begrüßte den Equal Pay-Anspruch (gleicher Lohn für gleiche Arbeit) nach Ablauf von neun Monaten, kritisierte aber die zeitgleiche Wiedereinführung einer Höchstüberlassungsdauer von zukünftig 18 Monaten. "Wenn ein überlassener Mitarbeiter zukünftig ab dem 10. Monat genauso entlohnt wird, wie auch der Stammbeschäftigte, dann wird die Wiedereinführung einer Höchstüberlassungsdauer leider nicht zu den vom Gesetzgeber gewünschten Übernahmeeffekten führen, sondern wahrscheinlich zu Lasten der Beschäftigten gehen“, so Butt. Es stehe zu befürchten, führte Butt weiter aus, dass der Entleiher, will er eine Übernahme nach Ablauf von 18 Monaten vermeiden, den überlassenen Mitarbeiter wegen des baldigen Erreichens der Höchstüberlassungsdauer von seinem Einsatz abmeldet. Der Mitarbeiter liefe dann in seinem nächsten Einsatz leider Gefahr, von seiner Equal-Pay Vergütung kommend, auf den niedrigeren Tariflohn zurückzufallen, betonte Rechtsanwalt Butt. „Dies kann nicht im Interesse der überlassenen Mitarbeiter sein.“

Arndt-Brauer machte deutlich, dass mit dem Gesetz der Missbrauch jahrelanger Überlassung eingeschränkt werden solle. Eine Evaluierung solle dementsprechend im Jahr 2020 erfolgen. Arndt-Brauer nahm die Kritik allerdings sehr ernst, würde aber die Entwicklung gerne über ein Jahr beobachten um dann erneut zu schauen, ob Änderungen am AÜG erfolgen müssten. In Kürze werde sie aber mit Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) die Problematik persönlich besprechen, versprach Arndt-Brauer abschließend.

„Für uns als im Westmünsterland regional verwurzeltes Unternehmen, ist es sehr wertvoll, dass Politiker wie Arndt-Brauer sich ins tägliche Geschäft an der Basis begeben, sich dadurch ein Bild vor Ort machen und uns somit die Möglichkeit einräumen, offen über Probleme/Bedenken kommunizieren können“, lobte Rechtsanwalt Butt den angenehmen Austausch bei der Verabschiedung der Bundespolitikerin.

« Zurück zur Übersicht
Ein Angebot aus dem Medienhaus Lensing