Integration durch Arbeit

|   Stadtlohn

 „Keine Integration ohne Arbeit“, so formulierte es ein Hochschullehrer in Braunschweig.  Nach den Erfahrungen beim Johannes-Förderwerk in Stadtlohn und der Losbergschule trifft diese Aussage, bezogen auf die bundesweiten  empirischen  Untersuchungen bei der Eingliederung von Flüchtlingen und Asylanten, zu.

In Kooperation mit der Losbergschule unterstützt das Johannes-Förderwerk nach Schließung der Johannesschule unter anderem die Begleitung von Schülern und Schülerinnen mit Migrationshintergrund  auf diesem Weg.  Seit August dieses Jahres gibt es beim Johannes-Förderwerk die neue Einsatzstelle für den Bundesfreiwilligendienst mit drei Stellen, genehmigt durch das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln.  Die neue Einsatzstelle heißt „Johannes-Förderwerk/Losbergschule“ mit Flüchtlingsbezug. Die Verwaltung der Einsatzstelle für den BFD ist in der ehemaligen Johannesschule im Verwaltungstrakt untergebracht. Die Schulleitung der Losbergschule regelt den Einsatz der Bundesfreiwilligen. Die Bundesfreiwilligen arbeiten mit voller Wochenstundenzahl im Ganztag mit den Lehrern zusammen. Schwerpunktmäßig sind sie in den Vorbereitungsklassen (VK) zur individuellen Unterstützung der Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund eingesetzt. Sprachkenntnisse  bei den Bundesfreiwilligen wie Türkisch, Englisch, Arabisch  oder Spanisch sind für die Arbeit förderlich. Die Förderung der Sprachkenntnisse Deutsch steht bei der gesamten schulischen Arbeit in der Losbergschule  im Vordergrund.

Der beste und erfolgreichste  Weg, um die Sprache  „Deutsch“ zu erlernen für die Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund,   ist die praktische Arbeit. Eine kleine Gruppe von Schülern aus Bulgarien ist an einem Vormittag in der Gärtnerei der Schule. Hier wird beim Aussäen, Pikieren, Pflanzen, Unkrautjäten, Fegen, Harken, Umgraben, Entgeizen und Gießen  nur „Deutsch“ gesprochen. Die Schüler sind bei der Arbeit motiviert, lernen bereits  das berufsbezogene sachgerechte und fachgerechte Arbeiten. Wenn es regnet, sind die Schüler in der Schreinerei der Losbergschule. Die Schüler lernen die Fachbegriffe, die Anwendung der Werkzeuge und  den Einsatz von  Kleinmaschinen kennen. Neben der praktischen Arbeit in der Schule werden die Schüler bei Behördengängen und der Suche nach  einem Schülerbetriebspraktikumsplatzes begleitet. Zum Aufbau und zur  Pflege der Sozialkontakte werden Elternhausbesuche von  den Lehrern durchgeführt.

Am Abend geht die Integrationsarbeit durch Arbeit weiter. Seit einigen Wochen kommen freiwillig  junge Männer aus dem Irak montags zur Mitarbeit in die Werkstätten der Losbergschule. Sie unterstützen  die Ehrenamtlichen des Johannes-Förderwerkes in der Holzwerkstatt oder im Kunst-Atelier beim Malen und Gestalten der Produkte fürs Johannes-Lädchen. Unter der Anleitung von Fachkräften lernen sie  allgemein Sprache und die Fachsprache des   Arbeitsbereiches. Neben der Arbeit nehmen die Flüchtlinge aus dem Irak auch an den gesellschaftlichen Treffen der Ehrenamtlichen teil. Nach der Arbeit nehmen sie mit allen Ehrenamtlichen  einen kleinen Imbiss ein und trinken   eine Flasche Bier. An dem Dankeschön-Abend nahm Mohammed  aus Bagdad die Gitarre und trug irakische Lieder vor. Er erntete vom ganzen Haus viel Beifall.   Einige Male erzählte Khalaf von den schrecklichen  Gräueltaten und Verfolgungen im Nordirak. Alle, Schüler und Erwachsene,  möchten eine Arbeitsstelle und die deutsche Staatsbürgerschaft.    Arbeit, Aufnahme  und Pflege  der Sozialkontakte, so wird durch das Zusammenleben in Schule und Gesellschaft  deutlich,  sind der Weg  und das Ziel für das Ankommen der Flüchtlinge und Asylanten  in Stadtlohn und  in dem für sie  “ fremden Land Deutschland“. Schule ist nicht nur Lernort, sondern allgemein  auch Lebensort.

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