Fachtag für Pflege- und Adoptiveltern

|   Kreis Borken

Die Vermittlungsstellen der Jugendämter des Kreises Borken sowie des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) bieten jährlich einen Fachtag für Pflege- und Adoptiveltern an. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung vom Pflegekinderdienst des Fachbereiches Jugend und Familie des Kreises Borken organisiert. Tina Reintges und Isabelle Rusche vom Pflegekinderdienst konnten über 60 interessierte Pflege- und Adoptiveltern sowie Kolleginnen und Kollegen der Stadtjugendämter und des SkF Bocholt im Kreishaus begrüßen. Als Referentin war Psychologin Dr. Martina Cappenberg aus Münster nach Borken gekommen, die über das Thema „Übergänge − Sensible Entwicklungsphasen und ihre Anforderungen für eine gelingende Integration des Kindes in seine Adoptiv- oder Pflegefamilie“ sprach.

Die Diplom-Psychologin und Gerichtsgutachterin befasst sich mit kinderpsychologischen Diagnostiken und ist Fachberaterin für Pflege- und Adoptiveltern sowie für Fachkräfte der Jugendhilfe. Außerdem ist Dr. Cappenberg als Referentin tätig und übernimmt Dozententätigkeiten für die Fachhochschule Münster im Bereich der Qualifizierung von Vormündern und Verfahrensbeiständen.

In ihrem Vortrag machte Dr. Cappenberg deutlich, dass Pflege- und Adoptivkinder in ihren Herkunftsfamilien oft Bindungs- und Vertrauensstörungen entwickelt hätten. Sie erlebten Übergänge in neue Entwicklungsphasen wie zum Beispiel den Start in den Kindergarten, die Grundschule oder weiterführende Schule oder auch die beginnende Pubertät als besonders anforderungsvoll und bisweilen auch  krisenhaft. Die Kinder würden auffällig in ihrem Verhalten, da jede Veränderung des Alltags ein Gefühl von Unsicherheit und Überforderungen begünstige. Kein Kind wolle gerne böse sein, war eine eindeutige Botschaft der Referentin. Nicht das Verhalten frühtraumatisierter Kinder sei falsch, sondern das, was es in seinen ersten Lebensjahren und manchmal auch nur Lebenswochen erlebt habe. Die Bewältigung dieser Übergänge hinge im hohen Maße von dem Erfolg der Integration des Kindes in seine neue Familie, der Verarbeitung der oftmals überwältigenden Vorerfahrungen und dem Aufbau der neuen Eltern-Kind-Beziehung ab. Dr. Cappenberg appelierte an die Pflege- und Adoptiveltern, die Fachleute des Pflegekinderwesens und auch an Institutionen wie Kindergärten und Schulen, diesen Kindern mit einem besonderen Feingefühl zu begegnen.

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