Der Inklusion eine Chance geben

|   Kreis Borken

„Schwerbehinderte können für Unternehmen eine wichtige Stütze sein, um dem Fachkräftemangel zu begegnen“, fasst Johann Meiners, Leiter der Agentur für Arbeit Coesfeld zusammen. „Trotz guter Qualifikation haben diese Menschen aber immer noch einen schwereren Stand am Arbeitsmarkt.“ Zwar war die Zahl der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung insgesamt rückläufig, dennoch profitierte diese Personengruppe nicht so sehr wie Menschen ohne Handicap von der positiven Entwicklung des Arbeitsmarktes.

Bis zum September waren in diesem Jahr im Bezirk der Agentur für Arbeit Coesfeld durchschnittlich 11.564 Menschen im Monat arbeitslos. Blickt man ins Jahr 2010 zurück und auf die damalige durchschnittliche Arbeitslosenzahl von 14.351 Personen, dann zeigt sich, dass sich der Arbeitsmarkt der Region positiv entwickelt hat. Die Zahl der arbeitslosen Schwerbehinderten sank im Mittel von 922 im Jahr 2010 auf 818 bis zum September 2017. Ein Blick auf den Anteil der Schwerbehinderten unter den als arbeitslos gemeldeten Personen zeigt aber, dass sich dieser erhöhte. Betrug er im Jahr 2010 noch 6,42 Prozent, waren sieben Jahre später 7,07 Prozent der als arbeitslos gemeldeten Personen gleichzeitig auch schwerbehindert.

„Die Agentur für Arbeit kann bei der Beschäftigung von Schwerbehinderten wichtige Hilfen geben“, betont Meiners. Dies könne die finanzielle Unterstützung bei der Beschäftigung eines Schwerbehinderten umfassen, zum Beispiel Zuschüsse für die Anschaffung bestimmter Arbeitsmaterialien. Aber auch Hilfe bei der Einrichtung und Ausstattung von Arbeitsplätzen und andere Beratungsangebote sollen die Einstellung eines Mitarbeiters mit einer Schwerbehinderung erleichtern.

Denn schwerbehinderte Arbeitslose können für Unternehmen eine wichtige Hilfe sein, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. Sie sind in der Regel sehr gut qualifiziert. 55 Prozent verfügen über die Kenntnisse einer Fachkraft, 8,9 Prozent werden als Spezialist oder Experte eingestuft und streben auch entsprechende Tätigkeiten an. Eine weitere Besonderheit ist der vergleichsweise höhere Altersdurchschnitt der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung.   Dieser kann aber auch ein Vorteil für Arbeitgeber sein. „Ältere Mitarbeiter bringen oftmals mehr Erfahrung mit“, betont Meiners. „Arbeitgeber sollten gerade in Zeiten des Fachkräftemangels nicht leichtfertig auf Mitarbeiter mit viel Know-how verzichten.“

Dass vergleichsweise viele Arbeitslose mit Schwerbehinderung älter seien, führt Meiners auch auf demographische Effekte zurück. Bei vielen Arbeitslosen trete die Schwerbehinderung erst im Verlauf des Berufslebens auf, so der Agenturchef. Grund seien oftmals Krankheiten oder die Folgen einer körperlich sehr belastenden Tätigkeit.  Den größten Anteil der Arbeitslosen mit Schwerbehinderung stellen im Agenturbezirk Coesfeld bis zum September 2017 im Monatsdurchschnitt Menschen ab 55 Jahren und älter mit 419 arbeitslos gemeldeten Personen. In der Altersgruppe der 25- bis 55jährigen wiesen 363 Personen eine Schwerbehinderung auf.

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