„Ankommen in der Fremde“

|   Vreden

Auf großes Interesse stieß am Dienstag die dritte Veranstaltung aus der Reihe „Blickwinkel – Vredener Frauen live“, die aus den vorliegenden gleichnamigen Büchern schöpft: Mehr als 60 Interessierte fanden sich im neuen Gebäude des „kult“ in Vreden zum Themenabend „Ankommen in der Fremde“ ein, passend zur laufenden Interkulturellen Woche.

Eine Angolanerin und eine Syrerin, die nun beide schon seit etlichen Jahren in Vreden wohnen, hier mit ihren Familien eine neue Heimat gefunden haben und auch im Berufsleben Fuß fassen konnten, erzählten ihre bewegenden persönlichen Geschichten, die bei aller Dramatik der Rückschau auch viel Ermutigendes erkennen ließen. Die beiden Frauen und mehrere Schicksalsgenossinnen – an diesem Abend zum Teil in farbenfrohen Festkleidern ihrer Herkunftsländer – erreichten Augen, Ohren und Herzen der Anwesenden. Moderiert von Ingeborg Höting beantworteten sie auch Fragen und so erfuhren die Zuhörer zum Beispiel über eine der speziellen angolanischen Sprachen: „Lingala ist wie Plattdeutsch!“ Der zweite Teil des Abends war einer anderen Gruppe von Ankömmlingen in Vreden gewidmet: den ab 1946 im Gefolge des Zweiten Weltkriegs aus den ostdeutschen Siedlungsgebieten im Raum Vreden eingetroffenen Heimatvertriebenen. Die Schicksale zweier schlesischer Frauen, die damals im Amt Ammeloe Unterkunft gefunden hatten, kamen zur Sprache. Zu hören war von traumatischen Ereignissen vor der Vertreibung und auf der Flucht ins Ungewisse, von der Trennung der Familienmitglieder in den Ammeloer Notquartieren, aber auch von den Hilfeleistungen seitens der Einheimischen.

Wie wichtig die Zuwendung der Alteingesessenen für die Neuankömmlinge ist, damit ihnen der Neubeginn in der Fremde gelingen kann, kam in allen Berichten zum Ausdruck. Einen positiven Ausblick formulierte schließlich der Text der jungen Vredenerin mit libanesischen Wurzeln Maha El Abrache „Vielfalt verbindet – Was unser Leben reicher macht“.

Entspannung von der Schickalsschwere des Gehörten schenkte die musikalische Begleitung des Abends. Die Violinistin Kati Tenner und der Bratschist Boris Tsoukkermann spielten Mozart und schufen damit einen festlichen Rahmen. Die Schar der Anwesenden nutzten bei Zwiebelkuchen und Federweißer die Gelegenheit, sich intensiv über das Gehörte auszutauschen.

Ermöglicht wurde die Veranstaltung durch die Kooperation der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Vreden, des Kulturamts, der Öffentlicher Bücherei Vreden, des kult in Vreden, des aktuellen forum Volkshochschule und des Bündnisses für Familie in Vreden.

Die nächste Veranstaltung der Reihe ist für den 29. November 2017 im St. Ludger Senioren- und Pflegezentrum, Vreden, geplant und hat das Thema „Reich an Lebenserfahrung“.

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