Sven Asmuß, Redakteur der Wochenpost, hat die nächste Buchrezension für die Wochenpost verfasst.
Hinter ihr erkenne ich jetzt das reinste Schlachtfeld: ein enger Flur, umgeworfene Möbel, Dreck, auf dem Boden Blutlachen und an den Wänden braunrote Handabdrücke und Wischspuren, die Kot, Schokoladenpudding oder Schlimmeres sein könnten. … Dann lächelt sie, und ihre weißen Milchzähne blitzen auf. Sie streckt mir ihre kalten Ärmchen entgegen und flüstert: „Bist du ein Engel? Nimmst du mich mit?“
Janine Binder ist 30 und Polizistin in Köln. In ihrem Buch „Seine Toten kann man sich nicht aussuchen“ beschreibt sie die Welt der Polizei fernab von Fernsehkrimis, zurechtgeschnittenen Dokumentation oder Kinofilmen. Das, was Binder beschreibt, ist echt. Zwar sind die Fälle und Einsätze allesamt so verfremdet, dass sich niemand, der in diesen Fälle und Einsätzen eine Rolle gespielt hat, wiedererkennt, aber dennoch, alles ist echt. Die junge Polizistin beschreibt nicht nur, was sie im Dienst so alles erlebt, sondern auch, wie sie sich dabei fühlt. Auch ihren Weg zur Polizei und der Umgang unter Kollegen sind Themen. Angefangen hat Janine Binder, ihre Einsätze in einem Internetportal zu veröffentlichen. Nun ist ein Buch erschienen, dass die Polizeiarbeit und die Erlebnisse im Einsatz so real darstellen, dass man manchmal laut loslacht, manchmal ganz schön schlucken muss und in wiederum anderen Szenen einem die Tränen in die Augen schießen. Emotional, rasant, mit einem Augenzwinkern, Janine Binder trifft in jedem Einsatzbericht den richtigen Ton. Es fällt schwer, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. Für sie selbst, das gibt sie offen zu, hat das Schreiben einen weiteren Hintergrund als nur zu unterhalten. Sie schreibt sich ihre Gefühle von der Seele, um am nächsten Tag wieder unbelastet in den Dienst gehen zu können.
„Seine Toten kann man sich nicht aussuchen“ ist im Piper Verlag erschienen und kostet in der Taschenbuch-Ausgabe 8,99 €.