Nach 40 Jahren in den RuhestandFreitag, 16. September 2011

Nach fast 40 Jahren im DRK-Rettungsdienst in den „Unruhestand“ verabschiedet worden: Hubert Schroer im Rahmen seiner Kollegen vor der Rettungswache Gescher.

Die letzte Fahrt am letzten Diensttag war eine ganz besondere: Hubert Schroer (61) wurde in einem alten Krankenwagen des Typs Mercedes-Benz 230 (W 114/8), Baujahr 1975, transportiert, stilecht mit Kopfverband und auf einer Trage liegend. Und dieser Transport hatte einen ganz besonderen Grund: Der Gescheraner geht nach fast 40-jähriger Tätigkeit als Rettungsassistent in den Ruhestand.

Da ließ es sich die Mannschaft der Rotkreuz-Rettungswache Gescher nicht zweimal sagen, ihrem langjährigen Kollegen einen unvergesslichen Tag zu bereiten. Hubert Schroer wusste zunächst von nichts. „Als meine Frau plötzlich entgegen aller Gewohnheit Tee kochen wollte, war mir fast klar: Da ist was im Busch.“

Christian Jasper, beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) im Ortsverein Vreden ehrenamtlich tätig, holte seinen alten beigefarbenen Mercedes aus der Garage und machte den Spaß mit. In Begleitung zweier Rettungswagen wurde der künftige Ruheständler zur Wache am Westfalenring nach Gescher gebracht.

Und dort gab es ein kräftiges Frühstück, während DRK-Vorstand Anton Verschaeren – früher selber lange im Rettungswesen aktiv – die mehr als 38 Jahre lange Karriere des Rettungsassistenten Revue passieren ließ. „Bei Hubert Schroer kann man wirklich sagen: Er ist trotz aller zeitweiligen Hektik im Rettungsberuf der Mensch geblieben, der er immer war. Wenn junge Leute mit weniger Berufserfahrung schon mal in Versuchung geraten, den Überblick zu verlieren – Hubert Schroer hat ihn immer behalten und mit seiner Ruhe und Übersicht manch knifflige Situation für alle Beteiligten souverän gelöst. Schade, dass sein Ruhestand schon gekommen ist. Er ist und war für das gesamte Team immer ein echter Kollege, wie man ihn nicht alle Tage trifft.“   

Dabei war Hubert Schroer in jungen Jahren eher ein süßer Junge gewesen: Er lernte nach der Schule in einem Bäcker- und Konditorbetrieb ín Lüdinghausen und machte später auch seinen Meister als Bäcker. „Doch ich war immer DRK-Mann, auch schon als junger Spund.“ Und so wurde aus dem Ehrenamt Beruf und Berufung: Schroer ging im Januar 1973 zum Kreisverband Coesfeld, fuhr den Rettungswagen in Coesfeld, Billerbeck und Gescher und wechselte später, nach Kommunalreform 1975 und DRK-Kreisfusion 1976, am 1. Juli 1979 zum neuen Kreisverband Borken, der mit Ahaus fusioniert hatte und kürzlich sein 125-jähriges Besehen feierte.

In Gescher gibt es laut Schroer die Rettungswache schon seit 1932. „Die Gescheraner Bevölkerung hat immer hinter uns gestanden, wie ein Mann – auch, als später die Nachtschicht geschlossen werden sollte.“ Da half offenbar eine dicke Schlagzeile in der „Bild-Zeitung“, und die Nachtwache war buchstäblich über Nacht gerettet.

Hubert Schroer ist jahrelang mit Karl Mesken als Retter unterwegs gewesen. Sein Gescheraner DRK-Freund ist schon vor zehn Jahren in Rente gegangen und ließ es sich nicht nehmen, Schroer in den „Unruhestand“ mit zu verabschieden. Denn Hobbies gibt es jede Menge: Fahrradtouren, Stammtisch, Doppelkopp.

Knapp vier Jahrzehnte Rettungsdienst: Da kommen nach eigener Schätzung etwa eine Million Kilometer Fahrstrecke zusammen, davon etwas 250 000 mit Blaulicht und Martinshorn und in höchster Anspannung. 50 000 Einsätze wurden gefahren, meist keine angenehmen. Ein schöner lief vor einigen Wochen ab, erinnert sich der 61-Jährige: „Da sollten wir eine ältere Frau ins Krankenhaus bringen. Sie war ihr Leben lang nie krank gewesen, geistig topfit, und sie wollte partout nicht mitkommen. Die Frau ist 98 Jahre. So möchte ich auch alt werden.“

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Beitrag von: Wochenpost
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